Namensartikel von Botschafter Auer zur globalen Energiewende

Am 7. April 2017 erschien in der koreanischen Tageszeitung The Kyunghyang Shinmun ein Beitrag von Botschafter Auer zum Pariser Klimaabkommen und zur globalen Energiewende. Der Artikel wurde auf Koreanisch aus dem folgenden übersetzt:

"Deutschland betreibt seit Jahren eine Energiewende. Schrittweise steigen wir auf erneuerbare Energien und intelligente Netze um und aus der Kernenergie aus. Bis 2050 wollen wir unsere Abhängigkeit von fossilen Energieträgern stark senken und unseren Energieverbrauch halbieren. Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sind die entscheidenden Stichworte bei der Dekarbonisierung unserer Volkswirtschaft.

Im November 2016 trat das Pariser Klimaabkommen in Kraft. Darin hat sich die Staatengemeinschaft auf große gemeinsame Anstrengungen verständigt, um die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen. Für über 100 Staaten, darunter Korea und Deutschland, ist dieses Abkommen bereits völkerrechtlich verbindlich.

Doch was haben Energiewende und Pariser Klimaabkommen miteinander zu tun?

Die ehrgeizigen Ziele des Pariser Abkommens sind ohne eine ganze Serie von „Energiewenden“ nicht zu schaffen. Besonders gefordert dabei sind die G20-Staaten - auch hier gehören Korea und Deutschland dazu. Die G20 haben nahezu 80 % der CO2-Emissionen zu verantworten, die den für unseren Planeten viel zu raschen Klimawandel verursachen.

Die „Energiewende“ ist inzwischen weltweit in Bewegung geraten. Dies erfahre nicht nur ich in meinen Gesprächen über die Energieversorgung als deutscher Botschafter in einem wichtigen asiatischen Land. Dies wurde auch kürzlich beim dritten „Berlin Energy Transition Dialogue“ deutlich, an dem Vertreter aus über 90 Staaten teilnahmen. Ganz besonders habe ich mich über die Teilnahme der koreanischen Regierung - trotz der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen - gefreut.

Umweltschutz und Umbau des Energiesektors einerseits und wirtschaftlicher Erfolg andererseits sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Die aktuelle (Klima-)Herausforderung ist die Chance zur umfassenden Modernisierung unserer Volkswirtschaften. Erneuerbare Energien und höhere Energieeffizienz sind der zukunftsweisende Investitionsstandard, Investitionen in fossile Energieträger, insbesondere Öl und Kohle, auf dem Rückzug. Neben Kapitalflüssen wird dabei der Digitalisierung eine Schlüsselrolle zukommen. Zugespitzt: Bis 2050 werden fossile Energieträger durch grüne Investitionen und digitale Intelligenz ersetzt. Damit erreichen wir neben der Eindämmung des Klimawandels und gesünderer Luft qualitativ hochwertiges Wachstum und Beschäftigung. Allein in Deutschland sind im Rahmen der Energiewende schon bislang rund 400.000 neue Arbeitsplätze entstanden.

Die Versorgung mit nachhaltiger Energie ist aber auch eine Frage der Sicherheit und der gerechteren Chancen für alle in unserer unersetzbaren Welt. Ein hoher Bedarf an Kohle, Öl und Gas kostet ein Land wie Korea nicht nur viel Geld, sondern macht auch abhängig von anderen Staaten, oft von Krisenregionen – zum Nachteil von Frieden und Stabilität. Oft wird die Rohstoffversorgung selbst, werden unsichere Lieferwege zum  Gegenstand von Konflikten. Und wir sehen gerade in weniger entwickelten Weltregionen, etwa dem Sahel, wie die Folgen des Klimawandels Krisen und Konflikte verschärfen können.

Eine globale Energiewende ist also nicht nur ökologisch und ökonomisch lohnend. Sie kann die Welt auch ein ganzes Stück sicherer und gerechter machen!

Beim Umbau unserer Energiesektoren könnten Korea und Deutschland noch viel engere Partner werden. Die ähnliche Ausgangslage bietet gute Voraussetzungen dafür: eine große Abhängigkeit vom Import von Energierohstoffen, eine hochtechnologisierte Wirtschaft, eine hochmoderne Forschungslandschaft und eine zunehmend ökologische Standards einfordernde Bevölkerung. Vom Ausbau der erneuerbaren Energien über die Weiterentwicklung der Energiespeicherung und die digital unterstützte Steigerung der Energieeffizienz bis hin zum möglichst sicheren Rückbau von Kernkraftwerken sollten unsere beiden Länder in den nächsten Jahren nicht nur Erfahrungen austauschen und kleinere bereits begonnene Initiativen fortsetzen, sondern in deutlich größerem Maßstab gemeinsam handeln. Dazu gehört auch das gemeinsame Eintreten für die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens – national wie international.

Gerade Deutschland als G20-Präsidentschaft in diesem Jahr ist bewusst, dass die jüngsten Politikänderungen in den USA unter Präsident Trump unsere gemeinsame Aufgabe  zusätzlich erschweren. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass sich schon bald zeigen wird: Der weltweite Trend zur Dekarbonisierung unserer Volkswirtschaften ist unumkehrbar.

Das Pariser Klimaabkommen als Versprechen an unsere Kinder und Enkelkinder, sie keinem existenzgefährdenden Klimawandel auszusetzen, verpflichtet uns alle zur Mitwirkung an vielen erfolgreichen Energiewenden. Dazu können Deutschland und Korea als enge Partner einen wichtigen Beitrag leisten."

Namensartikel von Botschafter Auer in The Kyunghyang Shinmun

Botschafter Stephan Auer